Wissen

pCO2 zu hoch: was ein erhöhter CO₂-Wert im Blut bedeutet

Steht auf Ihrem Befund ein erhöhter pCO₂, ist mehr Kohlendioxid im Blut gelöst als üblich. Der Wert stammt aus der Blutgasanalyse und zeigt, wie gut die Lunge CO₂ abatmet. Ein hoher pCO₂ heißt meist, dass zu wenig oder zu flach geatmet wird. Hier lesen Sie, welche Ursachen dahinterstehen können, welche Begleitwerte die Einordnung tragen und wann eine rasche ärztliche Abklärung wichtig ist.

Ab wann gilt pCO₂ als zu hoch?

Beim arteriellen pCO₂ von Erwachsenen liegt der übliche Bereich bei 35 bis 45 mmHg, in SI-Einheiten bei 4,7 bis 6,0 kPa. Werte über 45 mmHg nennt man Hyperkapnie, also zu viel CO₂ im Blut. Über 60 mmHg spricht man von schwerer CO₂-Retention. Maßgeblich bleiben der Referenzbereich Ihres Labors und die Probenart.

Was steckt hinter einem hohen pCO₂?

Der Grundmechanismus ist Hypoventilation, also eine zu schwache Atmung. Sie kann durch dämpfende Medikamente wie Opioide oder Benzodiazepine, durch Narkose oder eine Bewusstseinsstörung entstehen. Ebenso wichtig sind Lungenerkrankungen mit erschwerter Ausatmung, etwa eine Verschlechterung einer COPD oder schweres Asthma. Ermüdet die Atemmuskulatur, staut sich CO₂ zusätzlich.

Welche Beschwerden passen zu einem hohen pCO₂?

Typisch sind Kopfschmerzen, Müdigkeit und Benommenheit. Manche Menschen atmen langsam oder flach und spüren Atemnot. Die Haut kann gerötet und warm sein, dazu kommen Schwitzen oder Zittern. Bei starker CO₂-Anreicherung drohen Schläfrigkeit und Verwirrtheit bis zur sogenannten CO₂-Narkose, einer gefährlichen Eintrübung des Bewusstseins. Bläuliche Lippen weisen auf zusätzlichen Sauerstoffmangel hin.

Was ist nach dem Befund sinnvoll?

Ein hoher pCO₂ wird nie allein bewertet. Ärztlich wird er zusammen mit pH-Wert und Bikarbonat (HCO₃⁻) eingeordnet, dazu kommen Sauerstoffwerte, Atemfrequenz, Bewusstseinslage sowie Fragen nach Lungenerkrankungen, Sauerstoffgabe und Medikamenten. Besprechen Sie den Befund zeitnah mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Bei Atemnot, starker Schläfrigkeit oder Verwirrtheit rufen Sie den Notruf.

Leicht erhöht oder stark erhöht: die Abstufung

Für Erwachsene gilt beim arteriellen pCO₂ ein Bereich von 35 bis 45 mmHg als üblich. Manche Labore geben den Wert in Kilopascal an, dann sind es 4,7 bis 6,0 kPa; ein kPa entspricht etwa 7,5 mmHg. Liegt der Wert über 45 mmHg, sprechen Fachleute von Hyperkapnie. Das deutet auf eine zu geringe Atmung oder eine erschöpfte Atemmuskulatur hin.

Ab einem Wert über 60 mmHg gilt die CO₂-Anreicherung als schwer. Wie dringend das ist, hängt aber nicht an der Zahl allein. Entscheidend sind der pH-Wert, die Wachheit der betroffenen Person, eine mögliche Gewöhnung bei chronischer Lungenerkrankung und ob gerade Sauerstoff gegeben wird. Ein hoher Wert bei klarem Bewusstsein und fast normalem pH wiegt anders als derselbe Wert bei zunehmender Schläfrigkeit.

Ursachen: Atmung, Lunge, Muskeln, Medikamente

Ein hoher pCO₂ entsteht, wenn die Lunge weniger CO₂ abatmet, als der Stoffwechsel bildet. Der Fachbegriff dafür ist Hypoventilation. Eine wichtige Gruppe sind Lungenerkrankungen mit behinderter Ausatmung, vor allem eine akute Verschlechterung einer COPD, also einer chronischen Lungenerkrankung mit dauerhaft verengten Atemwegen, oder ein schwerer Asthmaanfall. Die Atemarbeit steigt, die Muskulatur ermüdet, und CO₂ bleibt im Blut.

Daneben kann die Atmung selbst gedämpft sein. Das passiert unter Opioiden, Benzodiazepinen oder Narkose und bei Bewusstseinsstörungen. Weniger offensichtliche Gründe sind eine Schwäche der Nerven und Muskeln, die für die Atmung zuständig sind (neuromuskuläre Schwäche), eine Störung der zentralen Atemregulation im Gehirn oder das Adipositas-Hypoventilationssyndrom, bei dem starkes Übergewicht die Atmung behindert. Auch unter Beatmung kann pCO₂ steigen, wenn die Einstellung des Geräts oder die Luftmenge pro Minute nicht ausreicht.

Begleitwerte: pH, Bikarbonat und Sauerstoff

Der pCO₂ ist die Atemachse der Blutgasanalyse, aber erst der pH-Wert zeigt, ob das Blut schon sauer geworden ist. Ist pCO₂ hoch und der pH niedrig, spricht das für eine akute respiratorische Azidose, also eine atmungsbedingte Übersäuerung. Der pH fällt dabei deutlich, weil pCO₂ binnen Minuten steigt, die Niere aber erst später gegensteuern kann.

Bikarbonat (HCO₃⁻) ist ein wichtiger basischer Puffer im Blut. Ist es zusammen mit pCO₂ erhöht und der pH nur leicht verändert, passt das eher zu einer länger bestehenden CO₂-Erhöhung, die die Niere teilweise ausgleicht. Der Base Excess, ein Rechenwert für den Überschuss oder Mangel an Basen, ergänzt diese Sicht auf den Stoffwechselanteil. pO₂ und Sauerstoffsättigung zeigen dagegen die Sauerstoffaufnahme und helfen, eine reine Atemschwäche von einem gestörten Gasaustausch in der Lunge zu unterscheiden.

Ein normaler pH bei auffälligem pCO₂ und auffälligem Bikarbonat ist kein Entwarnungssignal. Dann wird ärztlich nach einer gemischten Störung oder einer chronischen Kompensation gesucht. Kompensation bedeutet, dass ein Organ die Störung eines anderen teilweise ausgleicht, ohne sie ganz zu beheben. Kalium kann bei Übersäuerung ansteigen und gehört deshalb oft mit auf den Befund.

Störfaktoren bei der Blutabnahme

pCO₂ reagiert empfindlich auf Fehler vor der Messung. Die Probe muss ohne Luftblasen, mit dem Gerinnungshemmer Heparin versetzt und rasch analysiert werden. Bleibt sie zu lange liegen, verbrauchen die Blutzellen weiter Stoffe und bilden CO₂. Dadurch kann pCO₂ falsch hoch und der pH falsch niedrig ausfallen. Bei längerem Transport wird die Probe je nach Labor gekühlt.

Wichtig ist auch die Probenart. Venöses Blut hat meist einen höheren pCO₂ als arterielles. Den arteriellen Normbereich auf eine venöse Probe anzuwenden, führt deshalb leicht zu Fehldeutungen. Ein leicht erhöhter venöser Wert ist also anders zu lesen. Luftblasen wirken in die Gegenrichtung und senken pCO₂ eher. Für die Bewertung zählt außerdem, ob Sauerstoff oder Beatmung lief, wann abgenommen wurde und ob die Person dabei gepresst hat oder sediert war.

Wie sich pCO₂ im Verlauf verhält

pCO₂ ändert sich innerhalb von Minuten. Schon eine flachere Atmung, ein Beruhigungsmittel oder eine geänderte Beatmung kann ihn verschieben. Steigt pCO₂ akut, fällt der pH deutlich, weil die Niere erst später Bikarbonat zurückhält. Ein einzelner Messwert ist daher eine Momentaufnahme. Ärztlich wird pCO₂ gemeinsam mit pH, Atemarbeit, Sauerstoffwerten und dem Zustand der Person über die Zeit verfolgt.

Bei manchen Menschen mit lange bestehender COPD, bei denen sich CO₂ dauerhaft im Blut anreichert, kann pCO₂ ständig bei 55 oder 60 mmHg liegen. Das Bikarbonat ist dann erhöht, der pH bleibt fast normal. Für diese Menschen ist nicht die Zahl allein entscheidend, sondern die Veränderung gegenüber dem gewohnten Wert. Eine neue Verschlechterung zeigt sich, wenn pCO₂ weiter steigt, der pH sinkt und die Wachheit nachlässt.

Warnzeichen und nächste Schritte

Dringend wird es, wenn ein hoher pCO₂ mit Atemnot, sehr langsamer oder flacher Atmung, zunehmender Schläfrigkeit oder Verwirrtheit zusammenfällt. Besonders ernst sind Werte über 60 mmHg, wenn gleichzeitig der pH fällt oder die Wachheit nachlässt. Bei solchen Beschwerden wählen Sie den Notruf. Das gilt auch, wenn Angehörige bemerken, dass jemand kaum noch weckbar ist.

Ohne akute Beschwerden gehört der Befund zeitnah in ärztliche Hände, idealerweise zu der Stelle, die die Blutgasanalyse veranlasst hat, oder zur Hausärztin oder zum Hausarzt. Hilfreich sind Angaben zu Probenart, Sauerstoffgabe, bekannten Lungenerkrankungen und allen eingenommenen Medikamenten, vor allem Schmerz- und Beruhigungsmitteln. Üblich sind die gemeinsame Bewertung mit pH, Bikarbonat und Sauerstoffwerten und bei Bedarf eine Kontrollmessung.

Häufige Fragen

Ist ein leicht erhöhter pCO₂ gefährlich?

Ein Wert knapp über 45 mmHg sagt für sich genommen noch wenig über die Dringlichkeit. Entscheidend sind pH-Wert, Bikarbonat, Probenart und Beschwerden. Venöses Blut liegt ohnehin meist höher als arterielles. Ohne Atemnot oder Schläfrigkeit wird der Befund zeitnah ärztlich eingeordnet. Bei Atemnot, Verwirrtheit oder starker Müdigkeit ist rasche Hilfe nötig.

Warum ist pCO₂ bei COPD oft erhöht?

Bei COPD sind die Atemwege dauerhaft verengt, das Ausatmen fällt schwer. Wird die Atmung dadurch zu anstrengend, bleibt bei manchen Betroffenen CO₂ im Blut zurück. Hält dieser Zustand länger an, behält die Niere mehr Bikarbonat im Körper und gleicht den pH teilweise aus. Der pCO₂ kann dann dauerhaft erhöht sein, ohne dass der pH stark abweicht. Aussagekräftig ist vor allem die Veränderung gegenüber früheren Werten.

Kann ein hoher pCO₂ durch die Blutabnahme entstehen?

Ja, das ist möglich. Wird die Probe nicht rasch gemessen, bilden die Blutzellen weiter CO₂, und pCO₂ kann falsch hoch ausfallen. Auch eine venöse Probe zeigt meist höhere Werte als eine arterielle und darf nicht am arteriellen Referenzbereich bewertet werden. Passt der Wert nicht zum Befinden, klärt die Ärztin oder der Arzt, ob eine erneute Messung sinnvoll ist.

Ist ein hoher pCO₂ dasselbe wie Sauerstoffmangel?

Nein. pCO₂ zeigt, wie gut Kohlendioxid abgeatmet wird. Ob genug Sauerstoff ins Blut gelangt, zeigen pO₂ und Sauerstoffsättigung. Beides kann gemeinsam auftreten, etwa wenn neben der schwachen Atmung auch der Gasaustausch in der Lunge gestört ist. Deshalb werden in der Blutgasanalyse immer mehrere Werte zusammen gelesen, bevor eine Einordnung möglich ist.

Passende Vertiefung

Mehrere Werte gemeinsam einordnen

Mit dem Blutbefund-Inspektor können Sie Ihren pCO₂ gemeinsam mit pH, Bikarbonat und den übrigen Blutgaswerten einordnen lassen.

Zur vollständigen Blutbefund-Einordnung