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Lymphozyten zu hoch: Was der erhöhte Wert bedeuten kann

Steht auf Ihrem Befund, dass die Lymphozyten zu hoch sind, lohnt zuerst ein Blick auf die absolute Zahl. Lymphozyten sind weiße Blutkörperchen der gezielten Immunabwehr. Ein erhöhter Prozentanteil entsteht oft nur, weil andere weiße Blutkörperchen vermindert sind. Eine echte Erhöhung der absoluten Zahl passt häufig zu einer Reaktion auf einen Virusinfekt. Seltener steckt eine anhaltende Vermehrung einer einzelnen Zellgruppe dahinter. Diese Seite erklärt, wie man beides auseinanderhält.

Ab wann gelten Lymphozyten als zu hoch?

Bei Erwachsenen liegt die absolute Lymphozytenzahl ungefähr zwischen 1,0 und 4,0 G/l, der Anteil an allen weißen Blutkörperchen etwa zwischen 20 und 45 Prozent. Werte über 4,0 G/l gelten als absolute Lymphozytose, also echte Vermehrung im Blut. Kinder haben altersabhängig höhere Werte. Maßgeblich bleibt der Referenzbereich Ihres Labors, der auf dem Befund steht.

Prozent oder absolute Zahl: Was zählt mehr?

Der Prozentwert allein kann täuschen. Sinken die neutrophilen Granulozyten, eine andere Gruppe weißer Blutkörperchen, steigt der Lymphozytenanteil rechnerisch, ohne dass mehr Lymphozyten im Blut sind. Man spricht dann von relativer Lymphozytose. Aussagekräftig ist die absolute Zahl. Sie ergibt sich aus Leukozyten mal Lymphozytenanteil und wird meist in G/l angegeben.

Was steckt häufig hinter erhöhten Lymphozyten?

Häufig ist eine Reaktion des Immunsystems auf Viren, etwa bei Pfeiffer-Drüsenfieber durch das Epstein-Barr-Virus, bei Cytomegalievirus, Atemwegsinfekten oder Hepatitis. Auch bei Impfreaktionen, in Stressphasen oder nach Entfernung der Milz kann der Wert steigen. Eine solche reaktive Erhöhung ist bei Virusinfekten meist harmlos und bildet sich im Verlauf oft zurück.

Wann wird eine genauere Abklärung nötig?

Bleibt die absolute Zahl bei Erwachsenen über Wochen erhöht, wird eine klonale Vermehrung als Ursache wichtiger. Klonal heißt, die Zellen stammen von einer einzigen Ursprungszelle ab. Dazu zählen die chronische lymphatische Leukämie, kurz CLL, und die monoklonale B-Zell-Lymphozytose. Anhaltende Werte ab 5,0 G/l führen üblicherweise zu einer Zelltypisierung per Durchflusszytometrie, bei der die Oberflächenmerkmale der Zellen bestimmt werden.

Leicht oder anhaltend erhöht: die Abstufung

Für die Einordnung sind zwei Grenzen wichtig, beide bezogen auf die absolute Zahl bei Erwachsenen. Ab einem Wert über 4,0 G/l spricht man von absoluter Lymphozytose. Liegt der Wert knapp darüber und gibt es eine passende Infektspur, ist das häufig eine vorübergehende Reaktion. Die zweite Grenze liegt bei 5,0 G/l. Bleiben die Werte auf oder über dieser Höhe, wird eine genauere Abklärung empfohlen, besonders wenn das über 3 Monate anhält.

Wichtig ist eine Einschränkung: Die Grenze von 5,0 G/l über mindestens 3 Monate gilt für eine nachgewiesen klonale Vermehrung von B-Lymphozyten, nicht für jede erhöhte Gesamtzahl. B-Lymphozyten sind die Untergruppe, aus der antikörperbildende Zellen hervorgehen. Ob die Zellen klonal sind, zeigt erst eine Spezialuntersuchung. Ein einzelner Wert in dieser Höhe ist deshalb noch keine Aussage über eine Erkrankung. Er ist ein Grund, den Verlauf und die Begleitwerte genau anzusehen.

Häufige und seltene Ursachen

Häufig steigen Lymphozyten bei Virusinfekten. Typisch sind Pfeiffer-Drüsenfieber, auch Mononukleose genannt, Infektionen mit dem Cytomegalievirus, akute Atemwegsinfekte, Hepatitis oder die frühe Phase einer HIV-Infektion. Auch keuchhustenähnliche Bilder können dazu passen. Daneben kommen Impfreaktionen, Stressphasen, Veränderungen nach einem Rauchstopp und eine aktive Autoimmunerkrankung in Frage. Nach einer Entfernung der Milz können die Werte vorübergehend oder dauerhaft höher liegen.

Seltener ist eine anhaltende Vermehrung, die nicht auf einen Infekt zurückgeht. Dazu zählen die chronische lymphatische Leukämie, die monoklonale B-Zell-Lymphozytose und andere lymphoproliferative Erkrankungen, also Erkrankungen mit unkontrollierter Vermehrung lymphatischer Zellen. Für die Unterscheidung zählen die Dauer der Erhöhung, das Alter, tastbare Lymphknoten, eine vergrößerte Milz und das Ergebnis der Zelltypisierung. Dass ein Wert erhöht ist, sagt allein noch nicht, welche Gruppe zutrifft.

Welche Beschwerden dazu passen können

Bei einem Virusinfekt stehen oft Fieber, Halsschmerzen und geschwollene Lymphknoten im Vordergrund. Beim Pfeiffer-Drüsenfieber kommen häufig ausgeprägte Müdigkeit und ein Druckgefühl im linken Oberbauch hinzu, weil die Milz anschwellen kann. Manche Menschen haben aber gar keine Beschwerden. Eine milde Erhöhung fällt dann zufällig bei einer Routineuntersuchung auf. Das allein sagt wenig, sollte aber beim nächsten Arzttermin besprochen werden.

Andere Beschwerden lenken den Blick eher auf eine lymphatische Erkrankung. Dazu gehören Nachtschweiß, der die Wäsche durchnässt, ungewollter Gewichtsverlust und Lymphknoten, die über längere Zeit tastbar bleiben, etwa am Hals, in den Achseln oder in der Leiste. Fachleute sprechen bei solchen Allgemeinzeichen von B-Symptomen. Treten sie gemeinsam mit erhöhten Lymphozyten auf, sollte die Abklärung nicht aufgeschoben werden.

Begleitwerte und typische Konstellationen

Lymphozyten werden erst im Zusammenspiel mit anderen Werten lesbar. Aus der Zahl der Leukozyten und dem Lymphozytenanteil wird die absolute Lymphozytenzahl errechnet. Sind die Lymphozyten hoch und die neutrophilen Granulozyten eher niedrig, passt das oft zu einer viralen Reaktion. Sind dagegen die Leukozyten insgesamt sehr hoch und kommen vergrößerte Lymphknoten oder eine größere Milz dazu, rückt eine lymphoproliferative Erkrankung näher. Hämoglobin und Blutplättchen zeigen, ob noch andere Zellreihen aus dem Knochenmark betroffen sind.

Das CRP, ein Entzündungseiweiß der Akute-Phase-Reaktion, steigt bei Virusinfekten oft nur leicht an. Procalcitonin hilft eher bei der Frage nach einer bakteriellen Infektion, die den ganzen Körper betrifft. Monozyten, eine weitere Gruppe weißer Blutkörperchen, ergänzen das Bild in der Erholungsphase nach einem Infekt und bei länger dauernden Entzündungen. Auch der Blutausstrich, bei dem Zellen unter dem Mikroskop beurteilt werden, liefert Hinweise. Atypische, also aktivierte Lymphozyten sprechen eher für ein Virusgeschehen. Smudge Cells, also beim Ausstreichen zerdrückte Zellkerne, und gleichförmige kleine B-Zellen rücken dagegen eher eine CLL in den Blick.

Störfaktoren bei der Blutabnahme und Verlauf

Für die Bestimmung müssen Sie nicht nüchtern sein. Wichtiger ist, was in den Tagen davor war. Intensive körperliche Belastung in den 24 Stunden vor der Abnahme kann die Verteilung der weißen Blutkörperchen verschieben. Auch ein beginnender Infekt, eine Impfung in den letzten Tagen und Medikamente beeinflussen das Ergebnis. Die Blutprobe sollte zeitnah im Labor verarbeitet werden, weil die automatische Zellzählung bei langer Lagerung ungenauer werden kann. Geben Sie solche Umstände bei der Abnahme an.

Bei einem akuten Virusinfekt kann die Zahl der Lymphozyten schon nach wenigen Tagen steigen. Nach Pfeiffer-Drüsenfieber sind die Erhöhung und atypische Zellen mitunter über Wochen nachweisbar. Spricht vieles für einen Infekt, sagt eine Kontrolle nach 2 bis 6 Wochen meist mehr als eine Wiederholung schon am Folgetag. Ein Beispiel: Sinkt ein Wert von 4,8 G/l nach einem Infekt auf 2,9 G/l, spricht das für eine vorübergehende Reaktion. Bleibt der Wert dagegen bei 6,5 G/l über drei Monate, bei einer älteren Person und mit tastbaren Lymphknoten, ist das anders zu bewerten.

Warnzeichen und sinnvolle nächste Schritte

Ein leicht erhöhter Wert während oder kurz nach einem Infekt ist häufig, sollte aber im Verlauf kontrolliert werden. Früher ärztlich abklären lassen sollten Sie deutlich erhöhte Werte, eine Erhöhung über Wochen ohne erkennbaren Infekt, Nachtschweiß, ungewollten Gewichtsverlust, anhaltend tastbare Lymphknoten oder einen auffälligen Blutausstrich. Gleiches gilt, wenn auch andere Blutwerte wie Hämoglobin oder Blutplättchen verändert sind. Bei akuten, schweren Beschwerden wählen Sie den Notruf.

Für das Gespräch mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt helfen frühere Befunde, damit der Verlauf sichtbar wird. Notieren Sie, wann ein Infekt begonnen hat, ob Sie kürzlich geimpft wurden und welche Medikamente Sie nehmen. Üblich ist eine Kontrolle des Differenzialblutbilds, also der Aufschlüsselung der weißen Blutkörperchen, mit absoluter Lymphozytenzahl. Bei auffälligen Gerätehinweisen oder sehr hohen Werten kommt ein Blutausstrich dazu. Bleibt die Erhöhung ab 5,0 G/l bestehen, ist eine Zelltypisierung per Durchflusszytometrie üblich.

Häufige Fragen

Sind erhöhte Lymphozyten gefährlich?

Häufig steckt eine harmlose Reaktion auf einen Virusinfekt dahinter, die sich im Verlauf zurückbildet. Bedeutsam wird ein erhöhter Wert vor allem dann, wenn die absolute Zahl bei Erwachsenen über Wochen hoch bleibt, Werte ab 5,0 G/l erreicht oder Beschwerden wie Nachtschweiß, Gewichtsverlust und tastbare Lymphknoten dazukommen. Dann ist eine genauere Abklärung üblich.

Lymphozyten in Prozent zu hoch, absolut normal: Was heißt das?

Dann handelt es sich um eine relative Lymphozytose. Der Anteil steigt rechnerisch, weil andere weiße Blutkörperchen, oft die neutrophilen Granulozyten, weniger geworden sind. Im Blut sind dabei nicht mehr Lymphozyten unterwegs. Für die Bewertung ist deshalb die absolute Zahl entscheidend, die bei Erwachsenen etwa zwischen 1,0 und 4,0 G/l liegt. Ihr Labor gibt den eigenen Referenzbereich auf dem Befund an.

Können Lymphozyten nach einer Impfung erhöht sein?

Ja, Impfreaktionen können die Verteilung der weißen Blutkörperchen vorübergehend verändern. Deshalb ist es sinnvoll, bei der Blutabnahme zu erwähnen, wann Sie zuletzt geimpft wurden. Ein erhöhter Wert kurz nach einer Impfung lässt sich mit einer Kontrolle im Verlauf besser einordnen als mit einem einzelnen Befund.

Ab welchem Wert denkt man bei Lymphozyten an Leukämie?

Bei Erwachsenen wird eine anhaltende Vermehrung klonaler B-Lymphozyten ab 5,0 G/l über mindestens 3 Monate für die chronische lymphatische Leukämie relevant. Ob die Zellen klonal sind, zeigt erst eine Durchflusszytometrie, bei der die Oberflächenmerkmale der Zellen bestimmt werden. Eine erhöhte Gesamtzahl allein reicht für diese Einordnung nicht. Auch Alter, Lymphknoten, Milz und Blutausstrich fließen ein.

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