Laborwert

Zink im Blut: Normalwert, zu hoch oder zu niedrig

Zink ist ein Spurenelement, das der Körper nicht speichern kann und daher regelmäßig über die Nahrung braucht. Es ist Bestandteil von mehreren hundert Enzymen und wichtig für Haut, Wundheilung, Immunabwehr, Geschmackssinn und Wachstum. Der Zinkwert im Serum ist der gebräuchlichste Laborparameter, um einen Mangel zu erkennen, hat aber deutliche Grenzen. Er sinkt nach Mahlzeiten, im Tagesverlauf, bei niedrigem Albumin und vor allem bei Entzündungen, weil die Leber Zink dann aus dem Blut aufnimmt. Ein niedriger Wert bei einem Infekt ist deshalb nicht automatisch ein Zinkmangel. Umgekehrt kann ein leichter Mangel im Gewebe bestehen, obwohl der Blutwert noch im Normbereich liegt. Aussagekräftig wird Zink erst zusammen mit CRP, Albumin, der Ernährung, möglichen Verlusten über Darm oder Niere und den Beschwerden. Zu hohe Werte entstehen fast nur durch Präparate und können über längere Zeit einen Kupfermangel verursachen.

Was ist Zink?

Der Körper eines Erwachsenen enthält etwa 2 bis 3 Gramm Zink. Der größte Teil liegt in der Skelettmuskulatur und im Knochen, weitere Anteile in Haut, Haaren, Leber, Prostata und Augen. Im Blutplasma befindet sich nur etwa ein Promille des Körperzinks. Dort ist es überwiegend an Albumin gebunden, ein kleinerer Teil an Alpha-2-Makroglobulin. Rote Blutkörperchen enthalten ein Vielfaches der Plasmakonzentration, deshalb verfälscht eine Hämolyse den Messwert. Zink wird im Dünndarm über spezielle Transportproteine aufgenommen und überwiegend über den Darm wieder ausgeschieden, nur ein kleiner Teil über die Niere. Pflanzliche Lebensmittel wie Vollkorn und Hülsenfrüchte enthalten zwar Zink, aber auch Phytat, das Zink bindet und die Aufnahme hemmt. Aus Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten wird Zink besser verwertet. Die Referenzwerte für die Zufuhr in Deutschland, Österreich und der Schweiz berücksichtigen deshalb die Phytatmenge in der Ernährung. Gemessen wird Zink im Serum oder Plasma mit Atomabsorptionsspektrometrie oder Massenspektrometrie, in manchen Laboren auch photometrisch.

Bedeutung im Stoffwechsel

Zink ist Baustein und Aktivator zahlreicher Enzyme, darunter die alkalische Phosphatase, die Carboanhydrase, Superoxiddismutase und Alkoholdehydrogenase. Viele Proteine, die Gene an- und abschalten, benötigen Zink für ihre räumliche Struktur, die sogenannten Zinkfinger. Deshalb sind Gewebe mit rascher Zellteilung wie Haut, Darmschleimhaut und Immunzellen besonders auf Zink angewiesen. Zink ist außerdem an der Speicherung von Insulin, an der Spermienbildung und an der Wahrnehmung von Geschmack und Geruch beteiligt. Der Körper regelt die Zinkbilanz vor allem über die Aufnahme im Darm und die Ausscheidung in den Darm. Bei geringer Zufuhr steigt die Aufnahmequote, bei hoher Zufuhr sinkt sie. Bei Entzündungen, Infektionen, Operationen und Verletzungen bewirken Botenstoffe wie Interleukin-6, dass die Leber vermehrt Metallothionein bildet und Zink aus dem Blut aufnimmt. Der Plasmaspiegel fällt dadurch ab, obwohl der Gesamtbestand unverändert sein kann. Diese Umverteilung gilt als Teil der Abwehrreaktion. Für die Bewertung eines Laborwertes ist sie die wichtigste Störgröße.

Referenzbereich

GruppeBereichEinheit
Erwachsene, Serum oder Plasmaca. 60–120µg/dl
Erwachsene, SI-Einheitca. 9–18µmol/l
Untere Grenze für Frauen ab 10 Jahren, morgens nüchtern< 70µg/dl
Untere Grenze für Männer ab 10 Jahren, morgens nüchtern< 74µg/dl
Kinder unter 10 Jahren< 65 (morgens) bzw. < 59 (nachmittags)µg/dl

Methode & Variabilität: Erwachsene, Serum oder Plasma: Atomabsorptionsspektrometrie oder ICP-MS; laborabhängig; entspricht 0,60–1,20 mg/l bzw. 600–1.200 µg/l; es gilt der Bereich des eigenen Labors · Erwachsene, SI-Einheit: Atomabsorptionsspektrometrie oder ICP-MS; Umrechnung: 1 µmol/l entspricht etwa 6,54 µg/dl · Untere Grenze für Frauen ab 10 Jahren, morgens nüchtern: statistisch abgeleiteter Grenzwert (2,5. Perzentile) der internationalen Zink-Arbeitsgruppe IZiNCG; morgens nicht nüchtern < 66, nachmittags < 59 µg/dl · Untere Grenze für Männer ab 10 Jahren, morgens nüchtern: statistisch abgeleiteter Grenzwert (2,5. Perzentile) der internationalen Zink-Arbeitsgruppe IZiNCG; morgens nicht nüchtern < 70, nachmittags < 61 µg/dl · Kinder unter 10 Jahren: statistisch abgeleiteter unterer Grenzwert der IZiNCG; für Bevölkerungsauswertungen entwickelt; im Einzelfall altersspezifischen Laborbereich beachten

Was kann ein erhöhter Zink-Wert bedeuten?

Häufige Ursachen

  • Einnahme von Zinkpräparaten, besonders in hoher Dosis oder über längere Zeit. Kurz vor der Blutabnahme eingenommenes Zink erhöht den Wert zusätzlich.
  • Kontamination der Probe durch ungeeignete Röhrchen, Stopfen oder Gel; für Spurenelemente werden spezielle metallfreie Röhrchen empfohlen.
  • Hämolyse, weil rote Blutkörperchen deutlich mehr Zink enthalten als das Plasma.
  • Zinkhaltige Haftcremes für Zahnprothesen in großen Mengen über lange Zeit; diese Konstellation wurde in Fallberichten mit Kupfermangel beschrieben.
  • Berufliche Exposition, etwa beim Schweißen verzinkter Metalle; akute Beschwerden wie Metalldampffieber entstehen dabei über die Atemwege.
  • Sehr seltene erbliche Hyperzinkämien, bei denen Zink im Blut erhöht ist, ohne dass eine vermehrte Zufuhr besteht.

Typische Symptome

  • bei akuter hoher Aufnahme Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall
  • bei chronisch zu hoher Zufuhr Zeichen eines Kupfermangels: Blutarmut, niedrige Leukozytenzahl
  • bei ausgeprägtem Kupfermangel Taubheitsgefühl, Gangunsicherheit und Nervenschäden
  • häufig keine Beschwerden bei mäßig erhöhtem Messwert

Abklärung

Zuerst wird gefragt, ob Zink oder zinkhaltige Produkte eingenommen werden, und geprüft, ob die Probe korrekt in einem Spurenelementröhrchen und ohne Hämolyse gewonnen wurde. Bei plausibel erhöhtem Wert unter Präparaten ist die Bestimmung von Kupfer und Coeruloplasmin sinnvoll, weil hohe Zinkmengen die Kupferaufnahme im Darm blockieren. Ein Blutbild zeigt, ob bereits eine Anämie oder ein Mangel an Leukozyten vorliegt. Neurologische Beschwerden bei langjähriger Zinkeinnahme werden fachärztlich abgeklärt.

Was kann ein niedriger Zink-Wert bedeuten?

Häufige Ursachen

  • Entzündung, Infektion, Operation oder Verletzung: Zink wird in die Leber umverteilt. Der Wert ist niedrig, ohne dass zwingend ein Mangel besteht.
  • Geringe Zufuhr oder schlechte Verwertung, etwa bei sehr einseitiger Ernährung, im höheren Alter oder bei rein pflanzlicher Kost mit hohem Phytatanteil ohne ausgleichende Zubereitung.
  • Aufnahmestörungen im Darm bei Morbus Crohn, Zöliakie, Kurzdarmsyndrom, chronischer Pankreasinsuffizienz oder nach bariatrischer Operation.
  • Verluste durch chronischen Durchfall, großflächige Verbrennungen oder Wunden sowie über die Niere bei schlecht eingestelltem Diabetes.
  • Alkoholabhängigkeit und Leberzirrhose, chronische Nierenerkrankung und Dialyse.
  • Parenterale Ernährung ohne ausreichenden Zinkzusatz.
  • Niedriges Albumin, zum Beispiel bei Leber- oder Nierenerkrankungen, senkt den gemessenen Wert, weil Zink überwiegend an Albumin gebunden ist.
  • Die seltene erbliche Acrodermatitis enteropathica, bei der die Zinkaufnahme im Darm gestört ist.

Typische Symptome

  • entzündliche Hautveränderungen rund um Mund, Nase, Augen, After und an Händen und Füßen
  • Haarausfall, brüchige Nägel
  • verzögerte Wundheilung und häufige Infekte
  • Störungen von Geschmack und Geruch, Appetitlosigkeit
  • Durchfall
  • bei Kindern Wachstumsverzögerung und verzögerte Pubertät

Abklärung

Ein einzelner niedriger Zinkwert wird zusammen mit CRP und Albumin bewertet. Ist CRP erhöht, spiegelt der Wert oft die Entzündung und nicht den Zinkstatus wider; eine Kontrolle nach Abklingen der Entzündung ist dann aussagekräftiger, idealerweise morgens nüchtern. Hinweise auf einen echten Mangel geben typische Beschwerden, Risikofaktoren wie Darmerkrankungen, Operationen am Magen-Darm-Trakt, Alkohol oder einseitige Ernährung sowie eine niedrige alkalische Phosphatase. Die internationale Expertengruppe BOND empfiehlt, den Zinkstatus aus Blutwert, Ernährungsanamnese und bei Kindern dem Wachstum gemeinsam abzuschätzen, weil kein einzelner Marker zuverlässig ist. Ob und wie Zink ersetzt wird, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Verlauf unter Therapie

Zink im Plasma reagiert rasch auf Zufuhr, Mahlzeiten und Entzündung. Nach einer Mahlzeit sinkt der Wert für einige Stunden ab, im Tagesverlauf ist er nachmittags niedriger als morgens. Bei einem Infekt kann Zink innerhalb von Stunden bis Tagen deutlich fallen und sich nach Abklingen wieder normalisieren, ohne dass Zink zugeführt wurde. Für Verlaufskontrollen sollten Sie daher möglichst gleiche Bedingungen wählen: morgens, nüchtern, ohne akuten Infekt und ohne Zinkeinnahme unmittelbar vor der Abnahme. Unter einer Zinkgabe steigt der Plasmaspiegel meist innerhalb weniger Wochen an. Wichtiger als der Laborwert ist dann oft, ob sich Haut, Wundheilung oder Geschmack bessern. Bei längerfristiger Einnahme größerer Mengen wird Kupfer mitkontrolliert, um einen Kupfermangel rechtzeitig zu erkennen. Wer an einer chronischen Darmerkrankung leidet oder parenteral ernährt wird, erhält Zinkbestimmungen in größeren Abständen als Teil der Routinekontrolle.

Präanalytik: was den Wert beeinflusst

Die Blutabnahme sollte möglichst morgens und nüchtern erfolgen, weil Zink nach dem Essen und im Tagesverlauf abfällt. Die Tageszeit und der Nüchternzustand gehören in den Befundkontext, da die international verwendeten Grenzwerte danach unterscheiden. Zinkpräparate sollten vor der Abnahme nur nach ärztlicher Rücksprache pausiert werden; ihre Einnahme ist dem Labor mitzuteilen. Hämolyse erhöht den Wert, deshalb sind eine kurze Stauung, schonende Abnahme und rasche Abtrennung des Serums wichtig. Viele Standardröhrchen und Gummistopfen können Zink abgeben; Labore verwenden für Spurenelemente spezielle Röhrchen. Akute Infekte, Operationen und chronisch-entzündliche Erkrankungen senken den Wert und sollten bekannt sein. Schwangerschaft, hormonelle Verhütung und niedriges Albumin können den Wert ebenfalls senken. Für die Abklärung eines Mangels ist eine Einzelmessung während einer akuten Erkrankung wenig aussagekräftig.

Zink: Konstellation mit weiteren Blutwerten

Zink wird mit Entzündungs- und Eiweißwerten zusammen gelesen. Niedriges Zink mit erhöhtem CRP spricht eher für eine entzündliche Umverteilung als für einen Mangel. Niedriges Zink mit niedrigem Albumin oder Gesamteiweiß kann teilweise durch die fehlende Bindungskapazität erklärt sein. Niedriges Zink mit normalem CRP, normaler Tageszeit, Nüchternabnahme und passenden Beschwerden macht einen Mangel wahrscheinlicher, vor allem zusammen mit einer niedrigen alkalischen Phosphatase. Niedriges Zink und niedriges Eisen treten bei Aufnahmestörungen des Darms häufig gemeinsam auf. Hohes Zink mit Anämie und niedriger Leukozytenzahl bei langjähriger Einnahme von Präparaten lenkt den Verdacht auf einen zinkbedingten Kupfermangel. Selen und Zink werden bei parenteraler Ernährung und nach bariatrischen Operationen häufig gemeinsam kontrolliert.

  • crp — Ein erhöhtes CRP zeigt eine Entzündung an, die Zink im Blut senkt, ohne dass ein Mangel bestehen muss.
  • albumin — Zink ist überwiegend an Albumin gebunden; niedriges Albumin senkt den Messwert.
  • alkalische-phosphatase — Die alkalische Phosphatase ist ein zinkabhängiges Enzym; niedrige Werte können einen Zinkmangel stützen.
  • haemoglobin — Eine Anämie unter hoher Zinkeinnahme kann auf einen Kupfermangel hinweisen.
  • leukozyten — Eine niedrige Leukozytenzahl bei langjähriger Zinkeinnahme ist ein weiteres Zeichen eines Kupfermangels.
  • eisen — Eisen- und Zinkmangel treten bei Darmerkrankungen und einseitiger Ernährung oft gemeinsam auf.
  • selen — Selen wird bei Risikogruppen wie parenteral ernährten Menschen häufig zusammen mit Zink bestimmt.

Wichtiger Einordnungshinweis

Einzelwerte sollten nie isoliert betrachtet werden. Für eine belastbare Einordnung sind Referenzbereich, Verlauf, weitere Laborwerte und die persönliche gesundheitliche Situation entscheidend.

Wann sollte ärztlich abgeklärt werden?

Eine ärztliche Rücksprache ist besonders sinnvoll, wenn Werte deutlich außerhalb des Referenzbereichs liegen, Beschwerden bestehen oder mehrere auffällige Laborparameter gleichzeitig auftreten. Auch unklare oder wiederholt veränderte Verläufe sollten medizinisch eingeordnet werden.

Komplette Blutbefund-Einordnung statt Einzelwert

Wenn Sie Ihren gesamten Befund verständlich einordnen möchten, zeigt die vollständige Einordnung neben Einzelwerten auch mögliche Zusammenhänge zwischen mehreren Parametern.

Zur vollständigen Blutbefund-Einordnung

Häufige Fragen zu Zink

Quellen

  1. King JC, Brown KH, Gibson RS, et al. (2016): Biomarkers of Nutrition for Development (BOND): Zinc Review. DOI 10.3945/jn.115.220079 · PMID 26962190. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26962190/
  2. Hotz C, Peerson JM, Brown KH (2003): Suggested lower cutoffs of serum zinc concentrations for assessing zinc status: reanalysis of the second National Health and Nutrition Examination Survey data (1976–1980). DOI 10.1093/ajcn/78.4.756 · PMID 14522734. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/14522734/
  3. Livingstone C (2015): Zinc: physiology, deficiency, and parenteral nutrition. DOI 10.1177/0884533615570376 · PMID 25681484. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25681484/
  4. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA) (2014): Scientific Opinion on Dietary Reference Values for zinc. DOI 10.2903/j.efsa.2014.3844.
  5. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), gemeinsam mit ÖGE und SGE (2019): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Zink. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/zink/
  6. Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at) (2024): Zink. https://www.gesundheit.gv.at/leben/ernaehrung/vitamine-mineralstoffe/spurenelemente/zink.html
  7. Endokrinologikum Labore Hamburg (2026): Leistungsverzeichnis: Zink im Serum. https://www.endokrinologikum-aesculabor.de/leistungsverzeichnis/hormone/parameter/zink-im-serum.html
  8. NIH Office of Dietary Supplements (2022): Zinc: Fact Sheet for Health Professionals. https://ods.od.nih.gov/factsheets/Zinc-HealthProfessional/