Ab wann ist Folsäure zu niedrig?
Liegt Folat im Serum unter etwa 3 ng/ml, ist ein Mangel wahrscheinlich. Die Referenzbereiche unterscheiden sich zwischen Laboren und Messmethoden allerdings deutlich, manche Labore setzen die Untergrenze tiefer, andere höher an. Ein Wert knapp an der Grenze ist deshalb immer im Zusammenhang mit Blutbild, Vitamin B12 und Ernährung zu lesen. Diese Angaben sind orientierend; maßgeblich ist der Bereich, den Ihr Labor auf dem Befund angibt.
Serumfolat oder Erythrozytenfolat: was ist der Unterschied?
Meist wird Folat im Serum gemessen. Dieser Wert schwankt mit der Ernährung und steigt nach einer folatreichen Mahlzeit oder einer Tablette rasch an. Er zeigt daher eher die Zufuhr der letzten Tage als die Speicher. Das Erythrozytenfolat wird in den roten Blutkörperchen bestimmt und spiegelt die Versorgung über einen längeren Zeitraum wider. Es wird seltener gemessen, gibt aber genauer Auskunft, wenn sich die Ernährung kürzlich geändert hat.
Welche Ursachen hat ein Folsäuremangel?
Am häufigsten kommt zu wenig Folat mit der Nahrung, etwa bei einseitiger Kost oder Mangelernährung. Alkohol verstärkt das, weil er Aufnahme und Verwertung zusätzlich stört. In Schwangerschaft und Stillzeit ist der Bedarf deutlich erhöht. Erkrankungen des Darms wie Zöliakie können die Aufnahme behindern. Auch Medikamente greifen in den Folatstoffwechsel ein, darunter Methotrexat, das Antibiotikum Trimethoprim und manche Mittel gegen Epilepsie.
Was ist nach einem niedrigen Folsäurewert zu tun?
Besprechen Sie den Befund mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Meist werden ein Blutbild mit MCV, der durchschnittlichen Größe der roten Blutkörperchen, und Vitamin B12 mitbestimmt. Das ist wichtig, weil Folsäure allein einen B12-Mangel verdecken kann. Bei Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft sollten Sie einen niedrigen Wert rasch besprechen. Ob und in welcher Menge Folsäure eingenommen wird, gehört in ärztliche Hand, ebenso jede Änderung an Medikamenten wie Methotrexat.
Vor der Blutabnahme: was den Wert verfälschen kann
Serumfolat reagiert empfindlich auf die letzten Mahlzeiten und Tabletten. Eine folatreiche Mahlzeit oder ein Vitaminpräparat kurz vor der Abnahme kann den Wert anheben, obwohl die Speicher knapp sind. Umgekehrt kann eine kurze Phase mit sehr folatarmer Ernährung den Serumwert senken, ohne dass schon ein länger bestehender Mangel vorliegt. Fragen Sie im Labor oder bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt nach, ob Sie nüchtern zur Abnahme kommen sollen.
Nehmen Sie Folsäure, ein Multivitamin oder ein Schwangerschaftspräparat, geben Sie das bei der Abnahme an. Setzen Sie ein verordnetes Präparat nicht eigenmächtig ab, vor allem nicht bei Kinderwunsch, in der Schwangerschaft oder unter Methotrexat. Auch die Messmethode spielt eine Rolle: Ergebnisse verschiedener Labore und Verfahren sind nicht immer direkt vergleichbar, und Serumfolat und Erythrozytenfolat lassen sich nicht gegeneinander austauschen. Für den Verlauf ist dasselbe Labor am besten.
Häufige und seltene Ursachen
Die häufigste Ursache ist eine zu geringe Zufuhr über die Nahrung. Sie betrifft besonders Menschen mit sehr einseitiger Kost, Mangelernährung oder Alkoholmissbrauch. Alkohol beeinträchtigt zusätzlich die Aufnahme im Darm, die Verwertung und die Ausscheidung von Folat. Ein erhöhter Bedarf besteht in Schwangerschaft und Stillzeit. Auch eine längere Appetitminderung, bei der über Wochen wenig gegessen wird, kann zu einem Mangel führen.
Eine gestörte Aufnahme kommt bei Zöliakie, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und nach Operationen am Dünndarm vor. Mehrere Medikamente beeinflussen den Folatstoffwechsel: Methotrexat, das Antibiotikum Trimethoprim und Antiepileptika wie Phenytoin. Bei einer lange dauernden Dialyse geht vermehrt Folat verloren. Sehr selten sind angeborene Störungen der Folataufnahme oder des Folatstoffwechsels.
Begleitwerte: Blutbild, Vitamin B12 und Homocystein
Fehlt Folat, ist die Bildung der roten Blutkörperchen gestört. Es entstehen große Zellen, im Blutbild sichtbar als erhöhtes MCV, später mit niedrigem Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff. Fachleute sprechen von einer megaloblastären Anämie. Im Unterschied zum Eisenmangel, bei dem die roten Blutkörperchen eher klein sind, deutet ein hohes MCV in Richtung Folat oder Vitamin B12.
Dasselbe Bild entsteht bei einem Vitamin-B12-Mangel, im Blutbild lassen sich beide nicht unterscheiden. Deshalb werden Folsäure und B12 bei einer Blutarmut gemeinsam bestimmt. Homocystein, ein Zwischenprodukt des Stoffwechsels, steigt bei beiden Mängeln an. Methylmalonsäure steigt dagegen bei einem B12-Mangel; ist sie normal, spricht das eher für einen Folatmangel. Bleibt das MCV trotz Behandlung hoch, wird nach weiteren Ursachen gesucht, etwa Alkohol, Lebererkrankungen, Schilddrüse oder Medikamenten. Eine begleitende Entzündung kann die Deutung zusätzlich erschweren, deshalb wird manchmal das CRP, ein Entzündungswert, mitbestimmt.
Folsäure bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft
In Schwangerschaft und Stillzeit steigt der Bedarf an Folat deutlich. Ein Mangel in der frühen Schwangerschaft erhöht das Risiko für Neuralrohrdefekte, also Fehlbildungen von Gehirn und Rückenmark beim Ungeborenen. Deshalb zählt die Versorgung schon vor der Empfängnis und nicht erst, wenn die Schwangerschaft bekannt ist.
Bei Kinderwunsch wird die Folsäureversorgung deshalb üblicherweise schon vor der Empfängnis ärztlich besprochen. Ob und in welcher Menge Folsäure eingenommen wird, hängt von der persönlichen Situation ab, etwa nach einer früheren Schwangerschaft mit Neuralrohrdefekt, und gehört in ärztliche Hand. Ein einzelner Serumwert sagt wenig über die Versorgung über Wochen aus; dafür ist das Erythrozytenfolat besser geeignet. Bringen Sie zum Gespräch mit, welche Präparate Sie bereits nehmen, auch Kombinationspräparate mit mehreren Vitaminen.
Beschwerden und Verlauf
Auffällig wird ein Mangel oft erst im Verlauf. Entwickelt sich eine Blutarmut, zeigen sich Müdigkeit, Leistungsabfall, Blässe, Kopfschmerzen, Schwindel und Atemnot bei Belastung, manchmal auch Herzrasen. Weil die Blutarmut schleichend entsteht, kann sie ausgeprägter sein, als die Beschwerden vermuten lassen. Möglich sind außerdem eine entzündete, brennende Zunge, eingerissene Mundwinkel und Durchfall.
Wird die Ursache behandelt, steigt das Serumfolat rasch. Das Blutbild braucht länger: Das Hämoglobin erholt sich meist über mehrere Wochen, das MCV normalisiert sich langsamer als das Befinden. Eine Kontrolle wird deshalb meist nach einigen Wochen geplant. Bleibt das MCV trotz Folsäure erhöht, wird nach anderen Ursachen gesucht, allen voran nach einem Vitamin-B12-Mangel.
Warnzeichen: wann rasch ärztliche Hilfe nötig ist
Ein niedriger Folsäurewert allein ist meist kein Notfall. Rasch ärztlich abklären lassen sollten Sie aber Zeichen einer ausgeprägten Blutarmut: Atemnot schon bei leichter Belastung, Herzrasen, starker Schwindel oder ungewohnte Erschöpfung. Bei schwerer Blutarmut ist die Sauerstoffversorgung der Organe, besonders des Herzens, gefährdet. Bei starker Atemnot oder Bewusstseinsstörung ist der Notruf richtig.
Treten Kribbeln, Taubheitsgefühle, Gangunsicherheit oder Gedächtnisprobleme auf, muss rasch geklärt werden, ob zusätzlich ein Vitamin-B12-Mangel besteht, denn dieser kann die Nerven bleibend schädigen. Bei Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft sollten Sie einen niedrigen Wert ohne Aufschub mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen. Das gilt auch, wenn Sie Methotrexat oder Mittel gegen Epilepsie einnehmen und neue Beschwerden bemerken; ändern Sie die Einnahme nicht selbst.
Häufige Fragen
Kann Folsäure einen Vitamin-B12-Mangel verdecken?
Ja. Folsäure kann die Blutarmut auch dann bessern, wenn eigentlich Vitamin B12 fehlt. Das Blutbild sieht dann besser aus, während die Schädigung der Nerven weiterläuft. Deshalb wird vor oder spätestens mit einer Folsäuregabe geprüft, ob ein B12-Mangel vorliegt. Besonders wichtig ist das bei großen roten Blutkörperchen im Blutbild oder bei Kribbeln und Taubheitsgefühlen.
Warum ist mein Folsäurewert beim nächsten Test plötzlich normal?
Serumfolat schwankt mit der Ernährung der letzten Tage. Eine folatreiche Mahlzeit oder ein Präparat kurz vor der Abnahme kann den Wert anheben, ohne dass die Speicher aufgefüllt sind. Darum kann ein zweiter Wert anders ausfallen als der erste. Aussagekräftiger für die längerfristige Versorgung ist das Erythrozytenfolat. Für den Vergleich sollten Labor und Bedingungen der Abnahme möglichst gleich sein.
Wer hat ein höheres Risiko für einen Folsäuremangel?
Gefährdet sind Menschen mit einseitiger Ernährung oder Mangelernährung, mit Alkoholmissbrauch und mit Erkrankungen des Dünndarms wie Zöliakie. Ein erhöhter Bedarf besteht in Schwangerschaft und Stillzeit. Auch bestimmte Medikamente, etwa Methotrexat, Trimethoprim oder manche Antiepileptika, können den Folatspiegel senken. Ob eine Messung sinnvoll ist, klärt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen.
Welche Werte werden bei niedriger Folsäure mitbestimmt?
Üblich sind ein Blutbild mit Hämoglobin und MCV sowie Vitamin B12, weil beide Mängel ein ähnliches Blutbild erzeugen. Bei unklarem Befund kommen Homocystein und Methylmalonsäure hinzu; Letztere steigt bei einem B12-Mangel, nicht aber bei reinem Folatmangel. Manchmal wird zusätzlich das Erythrozytenfolat bestimmt, das die längerfristige Versorgung zeigt. Welche Werte nötig sind, richtet sich nach Beschwerden und Vorgeschichte.
Quellen
- Gesundheitsportal Österreich: Folsäure (FOLS)
- MSD Manual (Fachkreise): Folsäuremangel
- DocCheck Flexikon: Folsäuremangel
- Pfeiffer et al., Am J Clin Nutr 2016: Grenzwerte für den Folatstatus
Referenzbereiche sind orientierend; maßgeblich ist der Bereich Ihres Labors.
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