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Großes Blutbild: die Blutbild-Werte und ihre Bedeutung im Überblick

Das Blutbild gehört zu den häufigsten Laboruntersuchungen. Gezählt werden rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen, dazu kommen der rote Blutfarbstoff Hämoglobin und einige daraus berechnete Kennzahlen. Beim großen Blutbild werden die weißen Blutkörperchen zusätzlich nach Zellarten aufgeschlüsselt. Auf dem Befund stehen dafür meist kurze Kürzel, die ohne Erklärung schwer zu lesen sind. Diese Seite zeigt, was zum kleinen und zum großen Blutbild gehört, was die einzelnen Werte aussagen, welche Muster auffallen können und wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist. Details zu jedem Einzelwert finden Sie auf der jeweiligen Laborwert-Seite.

Was ist der Unterschied zwischen kleinem und großem Blutbild?

Das kleine Blutbild ist die Basisform. Es umfasst Erythrozyten, Hämoglobin, Hämatokrit, die Kennzahlen MCV, MCH und MCHC, oft auch die Verteilungsbreite der roten Blutkörperchen (RDW), dazu die Gesamtzahl der Leukozyten und die Thrombozyten. Das große Blutbild ist das kleine Blutbild plus Differentialblutbild. Dabei werden die weißen Blutkörperchen in fünf Arten aufgeteilt: Neutrophile, Lymphozyten, Monozyten, Eosinophile und Basophile. Meist erledigt das ein Analysegerät, bei bestimmten Fragen wird zusätzlich ein Blutausstrich unter dem Mikroskop beurteilt.

Welche Werte gehören zum Blutbild und wofür stehen sie?

Erythrozyten sind die roten Blutkörperchen, Hämoglobin ist ihr eisenhaltiger Farbstoff, der Sauerstoff transportiert. Der Hämatokrit gibt an, welchen Anteil die roten Blutkörperchen am Blutvolumen haben. MCV beschreibt die mittlere Größe der roten Blutkörperchen, MCH die Hämoglobinmenge je Zelle, MCHC die Hämoglobinkonzentration in den Zellen. Leukozyten, die weißen Blutkörperchen, dienen der Abwehr. Thrombozyten, die Blutplättchen, sind für die Blutstillung zuständig. Das Differentialblutbild zeigt, welche Art weißer Blutkörperchen vermehrt oder vermindert ist.

Was bedeuten die Abkürzungen im Blutbild?

ERY oder RBC steht für Erythrozyten, HB oder HGB für Hämoglobin, HKT oder HCT für Hämatokrit. LEUKO oder WBC bezeichnet die Leukozyten, THR oder PLT die Thrombozyten. Im Differentialblutbild finden Sie NEU für Neutrophile, LYM für Lymphozyten, MON für Monozyten, EOS für Eosinophile und BAS für Basophile. STB steht für stabkernige Neutrophile, eine jüngere Form. Viele Zellarten werden zweimal angegeben: relativ in Prozent aller weißen Blutkörperchen und absolut als Zahl pro Liter, etwa in G/l, gleichbedeutend mit 10⁹/l.

Welche Normalwerte gelten im Blutbild?

Für Erwachsene gelten orientierend: Leukozyten etwa 4,0–10,0 × 10⁹/l, Hämoglobin bei Männern etwa 13,0–17,0 g/dl, bei Frauen 12,0–15,0 g/dl, Hämatokrit bei Männern etwa 43–50 %, bei Frauen 38–44 %. Für Kinder, Neugeborene und in der Schwangerschaft gelten andere Bereiche. Die Normalbereiche weiterer Werte finden Sie auf den einzelnen Laborwert-Seiten. Weil sich Geräte und Methoden unterscheiden, ist immer der Bereich Ihres eigenen Labors maßgeblich, der auf dem Befund neben dem Messwert steht.

Rotes Blutbild: Hämoglobin, Hämatokrit und die Erythrozyten-Kennzahlen

Erythrozyten, Hämoglobin und Hämatokrit beschreiben gemeinsam, wie gut das Blut Sauerstoff transportieren kann. Ein niedriges Hämoglobin ist das wichtigste Zeichen einer Blutarmut, der Anämie. Hämatokrit und Erythrozytenzahl reagieren zusätzlich stark auf den Flüssigkeitshaushalt: Bei Flüssigkeitsmangel steigen sie scheinbar an, weil das Blut eingedickt ist. Erhöhte Werte entstehen außerdem durch Rauchen oder einen dauerhaften Aufenthalt in großer Höhe, selten durch eine Erkrankung des Knochenmarks, die zu viele rote Blutkörperchen bildet.

MCV, MCH und MCHC sind Kennzahlen der roten Blutkörperchen, die das Gerät misst oder berechnet. MCV zeigt die Größe und ist der erste Schritt bei der Einordnung einer Anämie: Man unterscheidet zu kleine, normal große und zu große Zellen. Der MCH, orientierend etwa 27–34 pg, gibt die Hämoglobinmenge je Zelle an und verändert sich meist parallel zum MCV. Der MCHC, orientierend etwa 32–36 g/dl, beschreibt die Hämoglobinkonzentration; ein deutlich erhöhter Wert geht häufig auf die Probe zurück, selten auf eine angeborene Formstörung der roten Blutkörperchen.

Weißes Blutbild und Differentialblutbild

Die Gesamtzahl der Leukozyten ist ein empfindlicher, aber unspezifischer Wert. Er steigt bei Infektionen und Entzündungen, aber auch bei Stress, nach Operationen, unter Kortison oder bei Rauchern. Erst das Differentialblutbild zeigt, welche Zellart dahintersteht. Neutrophile Granulozyten sind die schnelle Erstabwehr, besonders gegen Bakterien; ihr absoluter Wert liegt orientierend bei etwa 1,9–8,0 G/l. Lymphozyten gehören zum spezifischen Immunsystem und reagieren vor allem auf Viren. Monozyten sind Fresszellen, die Erreger und Zellreste aufnehmen. Eosinophile stehen in Verbindung mit Allergien und Parasiten, Basophile sind im Blut sehr selten.

Für die Bewertung zählt vor allem die absolute Zahl. Ein Prozentwert kann täuschen: Ein hoher Lymphozytenanteil entsteht manchmal nur, weil die Neutrophilen niedrig sind. Finden sich vermehrt unreife Formen wie stabkernige Neutrophile, spricht man von einer Linksverschiebung. Sie zeigt, dass das Knochenmark verstärkt neue Abwehrzellen ausschüttet, etwa bei einer bakteriellen Infektion.

Auffällige Muster und was sie bedeuten können

Im Blutbild zählen Kombinationen mehr als Einzelwerte. Ein niedriges Hämoglobin mit kleinen roten Blutkörperchen, also niedrigem MCV und MCH, passt häufig zu Eisenmangel oder zu einer angeborenen Thalassämie, einer Störung der Hämoglobinbildung. Niedriges Hämoglobin mit großen Zellen lenkt den Blick auf einen Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure oder auf Alkohol. Bei normal großen Zellen kommen eine chronische Erkrankung oder ein akuter Blutverlust infrage. Ferritin und Vitaminwerte helfen bei der Unterscheidung.

Erhöhte Leukozyten mit vermehrten Neutrophilen und einem erhöhten CRP sprechen für eine Entzündungsreaktion, häufig bakteriell. Mehr Lymphozyten bei eher niedrigen Neutrophilen passen oft zu einem Virusinfekt. Vermehrte Eosinophile finden sich bei Allergien, Asthma, Parasiten oder als Reaktion auf Medikamente. Erhöhte Thrombozyten sind meist eine Reaktion des Körpers, etwa auf Entzündung, Eisenmangel oder eine Operation.

Besonders genau angesehen wird es, wenn mehrere Zellreihen gleichzeitig vermindert sind, also Leukozyten, Hämoglobin und Thrombozyten. Dieses Bild heißt Panzytopenie und kann auf eine Störung im Knochenmark hinweisen, wo alle Blutzellen gebildet werden. Auch sehr hohe Leukozyten oder unreife Zellen im Blut werden rasch weiter abgeklärt.

Störfaktoren bei der Blutabnahme

Das Blutbild wird aus EDTA-Blut bestimmt. Nüchtern müssen Sie dafür in der Regel nicht sein; werden aus derselben Abnahme aber andere Werte bestimmt, kann Nüchternheit nötig sein. Intensive Bewegung oder Stress kurz vor der Abnahme heben Leukozyten und Neutrophile an, Flüssigkeitsmangel und starke körperliche Belastung am Vortag lassen Hämoglobin und Hämatokrit höher erscheinen. Auch die Körperlage verschiebt die Werte, deshalb wird üblicherweise nach kurzem ruhigem Sitzen abgenommen.

Bleibt die Probe zu lange liegen, zerfallen empfindliche Zellen oder verändern ihre Größe, die Werte werden falsch. Eine bekannte Tücke ist die Pseudothrombozytopenie: Im EDTA-Röhrchen verklumpen bei manchen Menschen die Blutplättchen, das Gerät zählt dann scheinbar viel zu wenige. Eine Kontrolle mit einem anderen Röhrchen oder ein Blutausstrich klärt das. Für Verlaufskontrollen ist es sinnvoll, möglichst zur gleichen Tageszeit und unter ähnlichen Bedingungen abzunehmen.

Einzelne Abweichung: wann kontrolliert wird

Ein Wert knapp außerhalb des Referenzbereichs bedeutet nicht automatisch eine Krankheit. Ernährung, körperliche Aktivität, Medikamente, die Monatsblutung, zu wenig Trinken und andere Einflüsse können das Blutbild verändern. Virusinfekte senken die Leukozyten oft vorübergehend, nach dem Abklingen normalisieren sie sich wieder. Die Ärztin oder der Arzt bewertet das Ergebnis deshalb zusammen mit Beschwerden, Vorgeschichte und den übrigen Werten und lässt bei Bedarf eine Kontrolle oder weitere Untersuchungen machen.

Hilfreich ist ein Vergleich mit früheren Befunden, wenn vorhanden. Ein seit Jahren gleich leicht abweichender Wert ohne Beschwerden ist anders zu sehen als eine neue, deutliche Veränderung. Wenn Sie Medikamente einnehmen, bringen Sie eine vollständige Liste mit, denn manche Wirkstoffe beeinflussen Blutzellen. Änderungen an der Medikation gehören in ärztliche Hand.

Warnzeichen: wann rasch ärztliche Hilfe nötig ist

Fieber bei sehr niedrigen Neutrophilen ist ein Notfall, besonders während einer Chemotherapie oder unter Medikamenten, die das Knochenmark dämpfen. Dann ist sofort ärztliche Hilfe nötig, weil sich Infektionen rasch ausbreiten können. Bei sehr niedrigen Thrombozyten sind punktförmige Hautblutungen, sogenannte Petechien, Nasen- oder Zahnfleischbluten und blaue Flecken ohne Anlass Warnzeichen, die rasch abgeklärt werden sollten.

Eine deutliche Blutarmut kann sich durch Atemnot schon bei geringer Belastung, Herzklopfen, Blässe und starke Müdigkeit zeigen. Bei sehr hohen Leukozyten mit Atemnot, Sehstörungen oder neurologischen Ausfällen ist sofort ärztliche Hilfe nötig. Nachtschweiß, ungewollter Gewichtsverlust, Fieber ohne erkennbare Ursache oder geschwollene Lymphknoten zusammen mit einem auffälligen Blutbild sollten Sie zeitnah mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt besprechen.

Häufige Fragen

Muss ich für ein großes Blutbild nüchtern sein?

Für das Blutbild selbst meist nicht, auch schwarzer Kaffee am Morgen stört nicht. Werden aus derselben Blutabnahme aber andere Werte bestimmt, für die Nüchternheit vorgesehen ist, gilt das für die ganze Abnahme; das sagt Ihnen die Ärztin oder der Arzt vorab. Wichtiger für ein verlässliches Blutbild sind ein ruhiger Ablauf ohne körperliche Anstrengung kurz vorher und eine rasche Verarbeitung der Probe im Labor.

Was ist der Unterschied zwischen relativen und absoluten Werten?

Relative Werte geben an, wie viel Prozent aller weißen Blutkörperchen auf eine Zellart entfallen. Absolute Werte nennen die tatsächliche Zahl dieser Zellen pro Liter Blut. Für die Beurteilung zählt vor allem der absolute Wert, weil Prozentangaben täuschen können: Sinkt eine Zellart stark, steigt der Prozentanteil der anderen, obwohl ihre Zahl gleich geblieben ist.

Ist ein einzelner Wert außerhalb des Normbereichs gefährlich?

Meist nicht. Referenzbereiche beschreiben, wo die Werte der meisten gesunden Menschen liegen, ein Teil der Gesunden liegt knapp daneben. Auch Infekte, Stress, Medikamente oder die Blutabnahme selbst verschieben einzelne Werte. Aussagekräftig sind Muster, also mehrere zusammenpassende Abweichungen, sowie deutliche oder neue Veränderungen. Leichte Abweichungen ohne Beschwerden werden häufig einfach kontrolliert.

Wann wird ein großes statt eines kleinen Blutbilds gemacht?

Das große Blutbild wird gewählt, wenn es auf die einzelnen Arten weißer Blutkörperchen ankommt. Das ist etwa bei auffälligen Leukozyten im kleinen Blutbild der Fall, bei Verdacht auf eine Infektion, bei unklarem Fieber, Allergien oder Verdacht auf eine Erkrankung des blutbildenden Systems. Auch unter Medikamenten, die Blutzellen beeinflussen können, wird es regelmäßig bestimmt.

Quellen

Referenzbereiche sind orientierend; maßgeblich ist der Bereich Ihres Labors.

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