Was bedeutet ein erhöhter Prolaktinwert?
Fachleute sprechen von Hyperprolaktinämie, wenn mehr Prolaktin im Blut gemessen wird, als der Referenzbereich vorsieht. Orientierend liegt die Obergrenze bei Frauen außerhalb der Schwangerschaft bei etwa 25 ng/ml, bei Männern bei etwa 15 ng/ml; je nach Labor, Messverfahren und Zyklusphase kann die Grenze auch deutlich tiefer angesetzt sein. 1 ng/ml entspricht dabei 1 µg/l, manche Labore rechnen in mIU/l. Maßgeblich ist immer der Bereich Ihres Labors. In Schwangerschaft und Stillzeit sind hohe Werte normal. Nachts und im Schlaf steigt Prolaktin, deshalb wird die Abnahme am besten am Vormittag und in Ruhe gemacht.
Wie stark ist das Prolaktin erhöht?
Die Höhe gibt einen ersten Hinweis, aber keine Diagnose. Leichte Erhöhungen entstehen oft durch Stress, Schlafmangel, Sport, Reizung der Brust oder Medikamente und werden zunächst unter ruhigen Bedingungen wiederholt. Je höher der Wert, desto wahrscheinlicher wird ein Prolaktinom, ein gutartiger prolaktinbildender Tumor der Hirnanhangsdrüse. Werte über 200 ng/ml sprechen deutlich dafür, meist für ein größeres Adenom. Eine Ausnahme ist Makroprolaktin: Diese an Antikörper gebundene Form kann hohe Messwerte vortäuschen, ohne biologisch aktiv zu sein, und wird bei hohen Werten ohne Beschwerden gezielt geprüft.
Welche Ursachen stecken hinter hohem Prolaktin?
Am häufigsten sind Medikamente: Mittel gegen Übelkeit wie Metoclopramid, Antipsychotika, manche Antidepressiva, Opioide, der Blutdrucksenker Verapamil und Östrogene heben Prolaktin, weil sie die Bremse durch den Botenstoff Dopamin lösen. Eine Schilddrüsenunterfunktion erhöht den Wert über das Hormon TRH, eine chronische Nierenschwäche über die verlangsamte Ausscheidung; auch Lebererkrankungen kommen vor. Prolaktinome machen meist moderate bis deutliche Werte, große Adenome sehr hohe. Reize an der Brustwand, etwa nach Operationen, und das erwähnte Makroprolaktin runden die Liste ab.
Was ist nach einem hohen Prolaktinwert zu tun?
Bei milder Erhöhung wird der Wert meist am Vormittag in Ruhe wiederholt. Wichtig sind ein Schwangerschaftstest, eine vollständige Liste Ihrer Medikamente, TSH und fT4 für die Schilddrüse, Kreatinin mit eGFR für die Nieren sowie Leberwerte. Bei hohen Werten ohne Beschwerden wird Makroprolaktin bestimmt. Bleibt der Wert erhöht oder bestehen Zyklusstörungen, Milchfluss, Libidoverlust, Kopfschmerzen oder Sehstörungen, folgt eine Magnetresonanztomographie der Hirnanhangsdrüse. Änderungen an Medikamenten gehören in ärztliche Hand; setzen Sie nichts eigenmächtig ab.
Störfaktoren: warum ein einzelner Wert wenig sagt
Prolaktin wird in Schüben ausgeschüttet und schwankt stärker als die meisten anderen Hormone. Im Schlaf und in der Nacht liegt es deutlich höher als am Tag, deshalb wird die Blutabnahme am Vormittag empfohlen, einige Stunden nach dem Aufwachen und nach einer kurzen Ruhephase. Körperlicher und seelischer Stress, Schmerz, Angst vor der Nadel, Sport kurz vor dem Termin, eine Brustuntersuchung, Reizung der Brustwarzen, Geschlechtsverkehr und eine eiweißreiche Mahlzeit können den Wert vorübergehend anheben. Ob Sie nüchtern kommen sollen, sagt Ihnen das Labor; wichtiger als das Nüchternsein ist die Ruhe vor der Abnahme.
Zwei Laborphänomene führen immer wieder in die Irre. Makroprolaktin ist ein Komplex aus Prolaktin und Antikörpern, der im Messverfahren mitgezählt wird, biologisch aber kaum wirkt. Er erklärt hohe Werte ohne passende Beschwerden und wird nach einer Fällung mit Polyethylenglykol erkennbar. Umgekehrt kann bei sehr großen Tumoren der sogenannte Hook-Effekt auftreten: Die Prolaktinmenge ist so hoch, dass der Test fälschlich einen niedrigen Wert anzeigt. Dann wird die Probe verdünnt und erneut gemessen.
Häufige und seltene Ursachen einer echten Erhöhung
Normal und erwartbar ist hohes Prolaktin in der Schwangerschaft und in der Stillzeit; dort ist es die eigentliche Aufgabe des Hormons. Außerhalb davon stehen Medikamente ganz vorne. Der Botenstoff Dopamin bremst die Prolaktinbildung dauerhaft; alles, was diese Bremse löst, hebt den Wert. Dazu gehören Dopaminhemmer wie Metoclopramid gegen Übelkeit, viele Antipsychotika, trizyklische und manche andere Antidepressiva, Opioide, der Blutdrucksenker Verapamil, Alpha-Methyldopa, H2-Blocker gegen Magensäure sowie Östrogene und die Pille. Über Absetzen oder Umstellen entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Unter den Erkrankungen ist die Schilddrüsenunterfunktion wichtig: Das übergeordnete Hormon TRH steigt dann an und regt neben TSH auch Prolaktin an. Bei chronischer Nierenschwäche wird Prolaktin langsamer abgebaut, und auch Lebererkrankungen können den Wert heben. Prolaktinome sind gutartige, prolaktinbildende Adenome der Hirnanhangsdrüse und die häufigsten hormonaktiven Tumoren dieser Drüse. Kleinere Adenome heißen Mikroprolaktinome, größere Makroprolaktinome; die Höhe des Prolaktins geht meist mit der Tumorgröße einher. Andere Veränderungen in dieser Region können den Hypophysenstiel drücken, sodass das Dopamin die Drüse nicht mehr erreicht; das Prolaktin steigt dann mäßig an.
Begleitwerte: typische Konstellationen
Prolaktin wird über seine Wirkung auf die Hormonachse lesbar. Dauerhaft hohes Prolaktin bremst die Ausschüttung von GnRH im Zwischenhirn, dadurch sinken LH und FSH oder bleiben unpassend normal, und die Zielhormone fallen: Östradiol bei Frauen, Testosteron bei Männern. Hohes Prolaktin mit niedrigem Östradiol und ausbleibender Regel passt zu einer prolaktinbedingten Zyklusstörung. Hohes Prolaktin mit niedrigem Testosteron und niedrig-normalem LH passt zu einem sekundären Hormonmangel beim Mann; SHBG hilft dabei, den frei wirksamen Anteil des Testosterons einzuschätzen.
TSH und fT4 gehören immer dazu: Ein hohes TSH mit niedrigem fT4 spricht für eine Schilddrüsenunterfunktion als Ursache. Kreatinin und eGFR zeigen, ob die Nieren den Abbau verlangsamen, Leberwerte decken eine Leberbeteiligung auf. Ein Schwangerschaftstest steht bei Frauen im gebärfähigen Alter am Anfang. Bei sehr hohen Werten oder einem Makroadenom werden meist weitere Hormone der Hirnanhangsdrüse geprüft, weil ein großer Tumor auch andere Achsen stören kann.
Beschwerden, die zu hohem Prolaktin passen
Bei Frauen fällt meist der Zyklus auf: Die Regel wird seltener oder bleibt aus, der Eisprung fehlt, der Kinderwunsch bleibt unerfüllt. Milchfluss aus der Brust außerhalb von Schwangerschaft und Stillzeit, die Galaktorrhö, ist ein typisches Zeichen, fehlt aber bei vielen Betroffenen. Durch den Östrogenmangel kommen Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Verkehr und verminderte Lust dazu; hält der Zustand lange an, leidet die Knochendichte. Bei Männern stehen Libidoverlust und Erektionsstörungen im Vordergrund, oft mit niedrigem Testosteron, manchmal mit Brustdrüsenwachstum; Milchfluss ist beim Mann selten.
Ein großes Adenom kann durch seine Ausdehnung Beschwerden machen: Kopfschmerzen und Sehstörungen, typischerweise Ausfälle an den äußeren Rändern des Gesichtsfelds, weil die Sehnervenkreuzung direkt über der Hirnanhangsdrüse liegt. Solche Zeichen sind bei Männern häufiger, weil die hormonellen Hinweise bei ihnen oft später erkannt werden. Bei biologisch wenig aktivem Makroprolaktin fehlen die Beschwerden meist ganz; genau das ist der Hinweis, den Wert nachzuprüfen.
Verlauf und Kontrollen
Ein milder Einzelwert ist keine Diagnose und wird unter besseren Bedingungen wiederholt. Fällt er dann normal aus, ist meist nichts weiter nötig. Bei medikamentenbedingter Erhöhung kann der Wert nach einer ärztlich entschiedenen Umstellung sinken; ob eine Umstellung überhaupt infrage kommt, hängt von der Grunderkrankung ab und wird nie allein wegen des Laborwerts entschieden. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion steht zuerst deren Abklärung im Vordergrund.
Bei einem Prolaktinom dient der Wert der Verlaufskontrolle. Die Behandlung, meist mit Medikamenten, die wie Dopamin wirken, gehört in endokrinologische Hand; Prolaktin wird dann regelmäßig gemessen und die Bildgebung in Abständen wiederholt. Die Zahl wird immer zusammen mit Zyklus oder Testosteron, Beschwerden und Bild bewertet. Bei Makroprolaktin kann der Gesamtwert dauerhaft hoch bleiben, ohne dass eine Behandlung nötig ist. In der Schwangerschaft steigt Prolaktin ohnehin stark, Kontrollwerte sind dort anders zu lesen und ersetzen nicht die ärztliche Beobachtung.
Warnzeichen: wann rasch ärztliche Hilfe nötig ist
Ein erhöhtes Prolaktin ist in der Regel kein Notfall. Zeitnah abgeklärt werden sollten anhaltende Kopfschmerzen und Sehstörungen, vor allem Ausfälle am Rand des Gesichtsfelds oder Doppelbilder, weil sie auf ein größeres Adenom mit Druck auf die Sehnervenkreuzung hinweisen können. Treten sehr starke Kopfschmerzen plötzlich zusammen mit Sehstörungen auf, ist rasche ärztliche Hilfe nötig, im Zweifel über den Notruf.
Ausbleibende Regel, Milchfluss, unerfüllter Kinderwunsch, Libidoverlust oder Erektionsstörungen bei erhöhtem Prolaktin sind kein Notfall, gehören aber in eine zeitnahe Abklärung bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt oder in der Endokrinologie. Das gilt besonders, wenn Sie Medikamente aus den genannten Gruppen einnehmen oder eine Schilddrüsen- oder Nierenerkrankung bekannt ist.
Häufige Fragen
Kann Stress das Prolaktin erhöhen?
Ja. Körperlicher und seelischer Stress, Schlafmangel, Sport, Schmerz und sogar die Angst vor der Blutabnahme können Prolaktin vorübergehend anheben, ebenso Reizung der Brust und eine eiweißreiche Mahlzeit. Solche Erhöhungen sind meist leicht und verschwinden bei einer Wiederholung in Ruhe am Vormittag. Ein einzelner leicht erhöhter Wert wird deshalb zuerst kontrolliert, bevor nach Krankheiten gesucht wird.
Welche Medikamente erhöhen Prolaktin?
Vor allem Mittel, die den Botenstoff Dopamin bremsen: Metoclopramid gegen Übelkeit, viele Antipsychotika, trizyklische und manche andere Antidepressiva. Auch Opioide, der Blutdrucksenker Verapamil, Alpha-Methyldopa, H2-Blocker gegen Magensäure, Östrogene und die Pille kommen infrage. Geben Sie bei der Abklärung alle Medikamente an. Ob etwas umgestellt wird, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt; setzen Sie nichts selbst ab.
Was ist Makroprolaktin?
Makroprolaktin ist Prolaktin, das an Antikörper gebunden ist. Der Komplex wird vom Labortest mitgemessen, kann aber kaum an den Prolaktinrezeptor binden und ist deshalb biologisch wenig aktiv. Er erklärt hohe Laborwerte ohne typische Beschwerden. Das Labor kann ihn mit einer Fällungsmethode abtrennen und den aktiven Anteil erneut messen. So lassen sich unnötige Untersuchungen vermeiden.
Ab wann denkt man an ein Prolaktinom?
Bei dauerhaft deutlich erhöhtem Prolaktin, wenn Medikamente, Schwangerschaft, Schilddrüse und Niere als Ursache ausscheiden und passende Beschwerden bestehen. Je höher der Wert, desto wahrscheinlicher ist ein Prolaktinom; Werte über 200 ng/ml sprechen stark für ein größeres Adenom. Die Bestätigung bringt eine Magnetresonanztomographie der Hirnanhangsdrüse. Kopfschmerzen oder Gesichtsfeldausfälle weisen zusätzlich auf eine größere Raumforderung hin.
Quellen
- Gesundheitsportal Österreich: Prolaktin (PRL)
- DocCheck Flexikon: Prolaktin
- DocCheck Flexikon: Prolaktinom
- MSD Manual Professional: Prolactinoma
- MedlinePlus: Prolactin blood test
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