Was bedeutet ein erhöhter Rheumafaktor?
Der Rheumafaktor, kurz RF, ist ein Autoantikörper, der sich gegen einen Abschnitt des körpereigenen Immunglobulins G richtet; meist misst das Labor die IgM-Form. Als negativ gilt der Wert, solange er unter der Grenze des Labors bleibt. Diese liegt orientierend bei etwa 14 IU/ml, manche Labors und Verfahren setzen sie höher an; maßgeblich ist immer der Bereich Ihres Labors. „Positiv“ oder „erhöht“ heißt also: Der Antikörper ist in messbarer Menge vorhanden. Eine Diagnose ist das noch nicht, denn der Rheumafaktor zeigt keine aktuelle Entzündung an, sondern eine Antikörperspur, die viele Ursachen haben kann.
Wie stark ist der Rheumafaktor erhöht?
Für die Einordnung zählt nicht nur positiv oder negativ, sondern auch die Höhe. Die Klassifikationskriterien für rheumatoide Arthritis von ACR und EULAR unterscheiden einen niedrig positiven Wert, der über der Obergrenze, aber höchstens beim Dreifachen davon liegt, von einem hoch positiven Wert über dem Dreifachen der Obergrenze. Ein hoch positiver Rheumafaktor wiegt in dieser Einteilung schwerer als ein niedrig positiver; Rheumafaktor und Anti-CCP bilden dort ein gemeinsames Kriterium, gezählt wird der höhere der beiden Befunde. Ein knapp positiver Wert ohne Gelenkschwellung ist dagegen wenig spezifisch und wird in der Regel nicht als Hinweis auf eine rheumatische Erkrankung gewertet.
Welche Ursachen hat ein positiver Rheumafaktor?
Die wichtigste Zielerkrankung ist die rheumatoide Arthritis, vor allem bei symmetrischer Schwellung kleiner Gelenke, Morgensteifigkeit und erhöhten Entzündungswerten. Der Rheumafaktor kann aber auch beim Sjögren-Syndrom, beim systemischen Lupus erythematodes, bei Mischkollagenosen und bei Kryoglobulinämie positiv sein. Dazu kommen chronische Infektionen und Entzündungen, etwa eine Hepatitis C, eine Endokarditis oder eine Tuberkulose, sowie chronische Lebererkrankungen. Schließlich steigt mit dem Alter die Wahrscheinlichkeit, dass ein niedriger Rheumafaktor ganz ohne Erkrankung nachweisbar ist. Ein positiver Wert allein sagt also wenig darüber, woher er stammt.
Was ist nach einem erhöhten Rheumafaktor zu tun?
Der Befund wird gemeinsam mit den Beschwerden und weiteren Laborwerten beurteilt. Dazu gehören der spezifischere Anti-CCP-Test, die Entzündungswerte CRP und Blutsenkung sowie die ärztliche Untersuchung der Gelenke, bei Bedarf ergänzt durch Ultraschall oder Röntgen. Haben Sie geschwollene, druckschmerzhafte Gelenke, die seit Wochen bestehen, ist eine zeitnahe Abklärung bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt und gegebenenfalls in der Rheumatologie sinnvoll. Ein leicht positiver Wert ohne Gelenkbeschwerden wird meist nur beobachtet. Eine Wiederholung ist dann sinnvoll, wenn der Erstbefund grenzwertig war oder nicht zum Gesamtbild passt.
Messung und Störfaktoren: worauf es bei der Probe ankommt
Der Rheumafaktor wird aus Serum oder Plasma bestimmt, nüchtern müssen Sie dafür nicht sein. Gemessen wird meist immunologisch, etwa durch Nephelometrie, Turbidimetrie, ELISA oder Latex-Agglutination. Die Ergebnisse werden häufig in IU/ml oder U/ml angegeben, die Grenze zwischen negativ und positiv hängt aber vom Testsystem ab. Werte aus verschiedenen Labors oder Methoden lassen sich deshalb nicht einfach vergleichen; für Ihren Befund gilt die Grenze, die auf dem Befund steht.
Einzelne Immunoassays können durch sogenannte heterophile Antikörper oder sehr hohe Immunglobulinspiegel gestört werden. Auch hoch dosiertes Biotin, das in manchen Nahrungsergänzungsmitteln steckt, betrifft bestimmte Testplattformen; eine Pause vor der Abnahme sollte mit dem Labor oder der behandelnden Stelle abgestimmt werden. Ein aktueller Infekt kann den Wert vorübergehend positiv machen. Werden Kontrollen gebraucht, sollten sie im selben Labor mit derselben Methode erfolgen. Ein positiver Rheumafaktor ohne Gelenkbefund wird durch wiederholtes Messen allein nicht aussagekräftiger.
Rheumatoide Arthritis: wann der Wert Gewicht bekommt
Die rheumatoide Arthritis ist die wichtigste Erkrankung, bei der der Rheumafaktor bestimmt wird. Typisch sind Schwellung und Druckschmerz an Fingergrund-, Fingermittel- und Handgelenken, ein symmetrisches Muster auf beiden Körperseiten und eine Morgensteifigkeit, die etwa eine Stunde oder länger anhält. Die Beschwerden bestehen über Wochen; in den Klassifikationskriterien bekommt eine Dauer von mindestens sechs Wochen eigenes Gewicht.
In den Kriterien von ACR und EULAR aus dem Jahr 2010 zählen Rheumafaktor und Anti-CCP-Antikörper als serologische Kriterien, getrennt nach niedrig positiv, also bis zum Dreifachen der Obergrenze, und hoch positiv, also darüber. Ein hoch positiver Rheumafaktor zusammen mit positivem Anti-CCP und typischer Gelenkentzündung stützt die Diagnose deutlich. Hohe Werte sind bei rheumatoider Arthritis zudem mit einem schwereren Verlauf und mit Beteiligung außerhalb der Gelenke verbunden, besonders wenn Anti-CCP ebenfalls positiv ist.
Umgekehrt schließt ein negativer Rheumafaktor die Erkrankung nicht aus. Bei passender Klinik spricht man dann von einer seronegativen rheumatoiden Arthritis. Gerade in der Frühphase können die Antikörper noch fehlen, weshalb Gelenkbefund, Entzündungswerte und Bildgebung den Ausschlag geben.
Andere Ursachen: Autoimmunerkrankungen, Infektionen, Alter
Ein positiver Rheumafaktor kommt bei einer Reihe weiterer Autoimmunerkrankungen vor. Dazu gehören das Sjögren-Syndrom, das sich häufig durch trockene Augen und trockenen Mund bemerkbar macht, der systemische Lupus erythematodes, Mischkollagenosen und die Kryoglobulinämie. Bestehen solche Beschwerden oder sind ANA oder ENA, weitere Autoantikörper, auffällig, lenkt das die Abklärung in eine andere Richtung als bei der rheumatoiden Arthritis.
Auch ohne Autoimmunerkrankung kann der Wert positiv werden. Chronische Infektionen und Entzündungen wie eine Hepatitis C, eine bakterielle Endokarditis oder eine Tuberkulose gehören dazu, ebenso chronische Lebererkrankungen. Kommen Fieber, Nachtschweiß oder ungewollter Gewichtsverlust zu einem positiven Rheumafaktor, wird gezielt nach einer solchen Infektion oder einer Systemerkrankung gesucht; Müdigkeit oder leichtes Fieber kann allerdings auch die rheumatoide Arthritis selbst verursachen.
Schließlich findet sich ein niedriger Rheumafaktor auch bei gesunden Menschen, und mit zunehmendem Alter wird das wahrscheinlicher. Ein leicht positiver Wert ohne Beschwerden ist deshalb meist bedeutungslos und wird nicht als Hinweis auf eine rheumatische Erkrankung gewertet.
Begleitwerte: Anti-CCP, CRP, Blutsenkung und mehr
Der Rheumafaktor wird nie allein beurteilt. Der wichtigste Begleitwert sind die Anti-CCP-Antikörper, auch ACPA genannt. Sie sind für die rheumatoide Arthritis deutlich spezifischer und auch für die Prognose aussagekräftiger. Sind beide positiv und bestehen typische Gelenkschwellungen, ist die Diagnose sehr wahrscheinlich. Ist der Rheumafaktor positiv, Anti-CCP aber negativ, und bestehen trockene Augen oder ein trockener Mund, rückt eher das Sjögren-Syndrom in den Blick.
CRP und Blutsenkung zeigen, ob aktuell eine Entzündung besteht; sie sagen aber nichts über die Art der Antikörper. ANA und ENA helfen, Kollagenosen abzugrenzen. Ein erhöhtes IgG kann eine chronische Immunaktivierung anzeigen und eine unspezifische Positivität begleiten. Bei Fieber, Herzgeräusch oder Hepatitis-Risiko wird nach einer chronischen Infektion gesucht. Passen Labor und Gelenkbefund nicht zusammen, kommt die Bildgebung dazu, meist Ultraschall oder Röntgen.
Verlauf: warum der Rheumafaktor kein Aktivitätsmarker ist
Für die Verlaufskontrolle einer rheumatoiden Arthritis eignet sich der Rheumafaktor schlecht. Unter einer wirksamen Behandlung kann er sinken, bleibt aber oft lange nachweisbar; die Höhe des Wertes spiegelt die Krankheitsaktivität nicht wider. Ein fallender Wert beweist keine Ruhephase, und eine aktive Erkrankung ist trotz unverändertem Rheumafaktor möglich.
Krankheitsaktivität wird deshalb anders gemessen: über die Zahl geschwollener und druckschmerzhafter Gelenke, CRP und Blutsenkung, die eigenen Beschwerden, die Funktion im Alltag und die Bildgebung. Eine erneute Bestimmung des Rheumafaktors ist vor allem dann sinnvoll, wenn der Erstbefund grenzwertig war oder wenn Methode und Beschwerdebild nicht zusammenpassen.
Warnzeichen: wann rasch ärztliche Hilfe nötig ist
Ein erhöhter Rheumafaktor verursacht selbst keine Beschwerden und ist kein Notfall. Zeitnah ärztlich abklären lassen sollten Sie Gelenkschmerzen und Schwellungen, die nicht mehr weggehen, oder eine Morgensteifigkeit, die frühestens nach einer Stunde nachlässt. Bei Verdacht auf eine rheumatoide Arthritis gilt eine frühe Abklärung als wichtig; ob und wie behandelt wird, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Rasch ärztlich abklären lassen sollten Sie es, wenn zu einem positiven Rheumafaktor Fieber, Nachtschweiß, ungewollter Gewichtsverlust oder ein neu festgestelltes Herzgeräusch kommen, denn dann kann eine chronische Infektion wie eine Endokarditis oder eine Systemerkrankung dahinterstehen. Bei plötzlicher Atemnot, Brustschmerz oder hohem Fieber mit Kreislaufschwäche ist der Notruf 144 oder 112 richtig.
Häufige Fragen
Bedeutet ein positiver Rheumafaktor, dass ich Rheuma habe?
Nein. Ein positiver Rheumafaktor kann zu einer rheumatoiden Arthritis passen, vor allem zusammen mit Anti-CCP-Antikörpern und typischen Gelenkschwellungen. Allein beweist er die Erkrankung nicht, denn der Wert kommt auch bei anderen Autoimmunerkrankungen, bei chronischen Infektionen und bei gesunden Menschen vor. Entscheidend sind die ärztliche Untersuchung der Gelenke, die Dauer der Beschwerden und die übrigen Laborwerte.
Kann der Rheumafaktor bei Gesunden erhöht sein?
Ja. Niedrige Rheumafaktor-Werte finden sich auch bei Menschen ohne jede Erkrankung, und mit zunehmendem Alter wird das wahrscheinlicher. Ebenso kann ein Infekt den Wert vorübergehend positiv machen. Ein leicht positiver Befund ohne Gelenkschwellung, ohne Morgensteifigkeit und ohne erhöhte Entzündungswerte hat deshalb meist keine Bedeutung und wird in der Regel nur beobachtet.
Was ist der Unterschied zwischen Rheumafaktor und Anti-CCP?
Beide sind Autoantikörper, die bei rheumatoider Arthritis bestimmt werden. Der Rheumafaktor ist weniger spezifisch und auch bei vielen anderen Erkrankungen positiv. Anti-CCP-Antikörper, auch ACPA genannt, weisen deutlich gezielter auf eine rheumatoide Arthritis hin und sagen mehr über die Prognose aus. Sind beide positiv und bestehen typische Gelenkbeschwerden, ist die Diagnose sehr wahrscheinlich.
Muss ich den Rheumafaktor regelmäßig kontrollieren lassen?
Meist nicht. Der Rheumafaktor ist kein guter Verlaufsmarker, weil seine Höhe nicht mit der Krankheitsaktivität zusammenhängt und er auch unter wirksamer Behandlung lange positiv bleiben kann. Für den Verlauf sind Gelenkbefund, CRP, Blutsenkung, Funktion und Bildgebung aussagekräftiger. Eine Wiederholung ist sinnvoll, wenn der Erstbefund grenzwertig war oder nicht zum Beschwerdebild passt.
Quellen
- Gesundheitsportal Österreich: Rheumafaktor (RF)
- Gesundheitsportal Österreich: Rheumatoide Arthritis – Symptome und Diagnose
- MSD Manual Profi-Ausgabe: Rheumatoide Arthritis
- Neogi et al. 2010: ACR/EULAR-Klassifikationskriterien für rheumatoide Arthritis, Phase-2-Bericht (PMC)
- DocCheck Flexikon: Rheumafaktor
- Universitätsklinikum Ulm, Klinische Chemie: Leistungsverzeichnis Rheumafaktor (PDF)
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