Laborwerte Kategorie

Blutgase & Säure-Basen

Die Blutgasanalyse zeigt in wenigen Minuten, wie gut die Lunge Sauerstoff aufnimmt und Kohlendioxid abgibt und ob das Blut zu sauer oder zu basisch ist. Sie wird vor allem im Krankenhaus, in der Notaufnahme und bei Lungenerkrankungen gemacht.

Warum diese Werte zusammen wichtig sind

pH, pCO₂ und Bikarbonat hängen direkt voneinander ab. Erst zusammen zeigen sie, ob eine Störung von der Atmung oder vom Stoffwechsel ausgeht und ob der Körper sie bereits ausgleicht.

Was die Blutgasanalyse misst

Für die Blutgasanalyse wird meist Blut aus einer Arterie am Handgelenk entnommen, manchmal aus dem Ohrläppchen oder aus einer Vene. Der pH-Wert zeigt, wie sauer das Blut ist, normal sind 7,35 bis 7,45. Der Kohlendioxid-Partialdruck (pCO₂, normal etwa 35 bis 45 mmHg) zeigt, wie gut die Lunge Kohlendioxid abatmet. Der Sauerstoff-Partialdruck (pO₂) und die Sauerstoffsättigung zeigen, wie viel Sauerstoff das Blut aufgenommen hat.

Bikarbonat (HCO₃⁻, normal etwa 22 bis 26 mmol/l) ist der wichtigste Puffer im Blut und wird über die Nieren geregelt. Der Base Excess gibt an, wie viel Base im Blut fehlt oder zu viel ist, normal sind etwa minus 2 bis plus 2 mmol/l. Die Anionenlücke wird aus Natrium, Chlorid und Bikarbonat berechnet und hilft, die Ursache einer Übersäuerung einzugrenzen. Laktat entsteht, wenn Gewebe zu wenig Sauerstoff bekommt oder sehr stark arbeitet.

Venöses Blut eignet sich gut für pH, Bikarbonat und Laktat, nicht aber für den Sauerstoff. Der venöse pO₂ ist deutlich niedriger als der arterielle und sagt wenig über die Lungenfunktion aus.

Typische Konstellationen

Ein pH unter 7,35 heißt Azidose, über 7,45 Alkalose. Kommt die Störung von der Atmung, verändert sich zuerst der pCO₂. Wird zu wenig abgeatmet, etwa bei schwerer COPD oder Atemschwäche, steigt der pCO₂ und der pH fällt. Wird zu schnell und zu tief geatmet, etwa bei Aufregung oder Schmerzen, sinkt der pCO₂ und der pH steigt.

Kommt die Störung vom Stoffwechsel, verändert sich zuerst das Bikarbonat. Eine Übersäuerung mit erhöhter Anionenlücke entsteht zum Beispiel bei hohem Laktat, bei entgleistem Diabetes mit Ketonkörpern oder bei schwerer Nierenschwäche. Bei normaler Anionenlücke sind häufig Durchfälle die Ursache, weil Bikarbonat über den Darm verloren geht. Eine Alkalose durch den Stoffwechsel tritt etwa nach starkem Erbrechen oder unter entwässernden Medikamenten auf.

Der Körper gleicht Störungen teilweise aus. Bei einer Übersäuerung durch den Stoffwechsel wird schneller geatmet und der pCO₂ sinkt. Bei einer länger bestehenden Atemstörung halten die Nieren mehr Bikarbonat zurück. Ein fast normaler pH bei deutlich veränderten Einzelwerten spricht deshalb für eine ausgeglichene oder gemischte Störung.

Ein Laktat über etwa 2 mmol/l findet sich nach starker körperlicher Belastung und ist dann nach kurzer Zeit wieder normal. Bleibt es ohne Belastung erhöht, kann es auf Schock, eine schwere Infektion, Durchblutungsstörungen oder Medikamente wie Metformin hinweisen. Die Sauerstoffsättigung liegt bei Gesunden in Ruhe meist bei 95 bis 99 Prozent. Bei Menschen mit chronischer Lungenerkrankung können niedrigere Zielwerte von etwa 88 bis 92 Prozent ärztlich gewollt sein.

Vor der Blutabnahme

Für die Blutgasanalyse müssen Sie nicht nüchtern sein. Wichtig ist, dass Sie einige Minuten ruhig sitzen oder liegen. Aufregung und Schmerzen bei der Punktion können zu schnellem Atmen führen und den pCO₂ senken. Teilen Sie mit, ob Sie Sauerstoff erhalten und wie viel, denn pO₂ und Sättigung lassen sich nur mit dieser Angabe richtig einordnen.

Die Probe muss luftblasenfrei sein und rasch gemessen werden, meist innerhalb von 15 bis 30 Minuten. Sonst verbrauchen die Blutzellen Sauerstoff und bilden Laktat, und die Werte werden falsch. Für Laktat sollte der Arm nicht lange gestaut und die Faust nicht wiederholt geballt werden. Bei Rauchern und nach Kontakt mit Kohlenmonoxid zeigt die Messung am Finger eine zu hohe Sättigung.

Wann ärztliche Abklärung dringlich ist

Bei Atemnot in Ruhe, bläulichen Lippen, Verwirrtheit oder Benommenheit rufen Sie sofort den Notruf 144 in Österreich beziehungsweise 112. Sofort ärztliche Hilfe brauchen Sie auch bei einer Sauerstoffsättigung deutlich unter Ihrem gewohnten Wert und bei sehr schneller, tiefer Atmung zusammen mit starkem Durst, Übelkeit oder Bauchschmerzen bei Diabetes. Ein Laktat über 4 mmol/l ohne körperliche Belastung ist ein Warnzeichen für eine schwere Erkrankung.

Typische Muster in diesem Bereich

  • Niedriger pH mit niedrigem Bikarbonat und negativem Base Excess spricht für eine Übersäuerung durch den Stoffwechsel, etwa bei hohem Laktat.
  • Niedriger pH mit hohem pCO₂ zeigt, dass zu wenig Kohlendioxid abgeatmet wird.

Häufige Kombinationen

  • pH + pCO₂ + Bikarbonat
  • Anionenlücke + Laktat
  • pO₂ + Sauerstoffsättigung

Kernwerte in diesem Themenbereich

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Alle Werte dieser Gruppe im Überblick

WertOrientierender BereichAbweichung einordnen
pH-Wert in der Blutgasanalyse7,35-7,45 pH-EinheitenArterieller pH, Erwachsene · 5 weitere Gruppen–
pCO₂ in der Blutgasanalyse35-45 mmHgArterieller pCO₂, Erwachsene · 5 weitere Gruppenerhöht · niedrig
pO₂ in der Blutgasanalyse80-100 mmHgArterieller pO₂, Erwachsene bei Raumluft, orientierend · 5 weitere Gruppen–
Sauerstoffsättigung sO₂ (SaO2)95-99 %Arterielle sO₂, Erwachsene bei Raumluft, orientierend · 5 weitere Gruppenniedrig · erhöht
HCO₃⁻ / Bikarbonat22-26 mmol/lArterielles HCO₃⁻, Erwachsene · 5 weitere Gruppen–
Base Excess-2 bis +2 mmol/lBase Excess, arteriell, Erwachsene · 5 weitere Gruppenniedrig
Anionenlückeca. 8-12 mmol/lAnionenlücke ohne Kalium, orientierend · 5 weitere Gruppen–
Laktat im Blut (Lac)0,5 – 2,2 mmol/lErwachsene, venöses Plasma · 4 weitere Gruppen–

Die Bereiche stammen aus den geprüften Detailseiten und sind orientierend: jedes Labor gibt eigene Referenzbereiche an. Weitere Gruppen (Alter, Geschlecht, Schwangerschaft) und die Methodik stehen auf der jeweiligen Detailseite.

Häufige Fragen

Warum wird das Blut aus einer Arterie genommen?

Nur arterielles Blut zeigt zuverlässig, wie viel Sauerstoff die Lunge ins Blut bringt. Für pH, Bikarbonat und Laktat reicht oft venöses Blut. Die Punktion am Handgelenk ist etwas unangenehmer als eine normale Blutabnahme, dauert aber nur kurz.

Ist ein erhöhtes Laktat nach dem Sport bedenklich?

Nein. Bei intensiver Belastung kann Laktat vorübergehend auf ein Mehrfaches ansteigen und fällt in der Erholung meist innerhalb von etwa einer Stunde wieder ab. Bedeutsam ist ein erhöhtes Laktat in Ruhe.

Wie hängen Sauerstoffsättigung und pO₂ zusammen?

Die Sättigung zeigt, wie viel Prozent des roten Blutfarbstoffs Sauerstoff tragen, der pO₂ den Druck des gelösten Sauerstoffs. Oberhalb einer Sättigung von etwa 90 Prozent ändert sich die Sättigung kaum, obwohl der pO₂ deutlich schwanken kann. Darunter fällt sie rasch ab.

Kann ich meinen Blut-pH über die Ernährung ändern?

Nein. Lunge und Nieren halten den pH des Blutes sehr eng zwischen 7,35 und 7,45. Die Ernährung beeinflusst den pH des Urins, aber nicht den des Blutes. Ein auffälliger Blut-pH geht nicht auf die Ernährung zurück, sondern auf Atmung, Stoffwechsel, Belastung oder Fehler bei der Probenabnahme und gehört ärztlich eingeordnet.

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